Natürliche Farbstoffe und Blockdruck in Bagru ∙ Teil 2

Ich war im Dezember 2018 und Januar 2019 drei Wochen lang mit einer guten Freundin in Indien. Dort haben wir unter (vielem) anderem an einem zweitägigen Workshop zu den Themen Handblockdruck und natürliche Farbstoffe teilgenommen.

Teil 1 über Schlammdruck und Indigofärben lesen.

Drucken mit natürlichen Farbstoffen

Am zweiten Tag ging es um verschiedene natürliche Farbstoffe, die in Bagru verwendet werden. Viele dieser Techniken sind seit mehr als 7000 Jahren auf dem indischen Subkontinent im Einsatz. Im ersten Teil des Tages lernten wir die theoretischen Aspekte und Geschichte des Färbens.

Synthetische Farben

Die erste synthetische Farbe wurde 1856 entdeckt und sie wird seit 1891 kommerziell verwendet. Wie du wahrscheinlich weißt, werden synthetische Farben heutzutage hauptsächlich verwendet, obwohl sie ernsthafte Auswirkungen, wie zum Beispiel die Verschmutzung des Grundwassers, auf die Umwelt haben. Tatsächlich hat sich der Nachbarort Sanganeer auf synthetische Farben spezialisiert, während Bagru den traditionellen Farben treu geblieben ist. Jetzt ist dort das Grundwasser verseucht. Obwohl die indische Regierung Gesetze zur Reinigung des Abwassers verabschiedet hat, wird es wohl noch 10-15 Jahre dauern, bis sich die Umwelt dort erholt hat.

Neben Bagru gibt es auch in der Region Katch in Gujarat und der Stadt Machilipatnam in Andhra Pradesh Zentren der Naturfärbeexpertise und -industrie.

Natürliche Farbstoffe

Natürliche Farbstoffe können grob in zwei Gruppen eingeteilt werden:

  • Farben tierischen Ursprungs (z.B. eine purpurne Farbe, die aus Schalentieren gewonnen werden kann, das rotbraun der Lackkäfer und ein Karmesinrot, das aus Cochenilleschildläusen gewonnen wird)
  • Farben pflanzlichen Ursprungs (in Indien werden mehr als 300 Pflanzenarten zu Farbstoffen verarbeitet)

Um genügende Mengen an Farbstoffen aus Tieren zu gewinnen, müssen sehr viele davon getötet werden. Das widerspricht der Philosophie der Hindus (und ist generell grausam). Deswegen sind pflanzliche Farben viel weiter verbreitet.

Ich habe darauf schon hingedeutet: pflanzliche Farben können nicht ohne weiteres verwendet werden, um pflanzliche Stoffe (wie Baumwolle, Leinen oder Hanf) zu färben. Damit die Farbe sich dauerhaft an die Fasern binden kann, müssen diese vorher gebeizt werden. Dazu wird in Bagru ein Pulver aus der Hardapflanze verwendet. Im Westen werden dazu oft Alaune und Metallsalze verwendet.

Vier Bahnen Stoff hängen nach dem Beizen, vor dem Färben, zum Trocknen aus, damit sie natürliche Farbstoffe dauerhaft aufnehmen können.
Gebeizter Stoff hängt zum Trocknen aus.

Natürliche Farbstoffe in Indien

Natürliche Farbstoffe haben in Indien eine lange Geschichte. Die ersten Farbstoffe, die in Indien vor über 4000 Jahren entdeckt und entwickelt wurden, waren für rote und pinke Farben. So kann man zum Beispiel die Blätter, Rinde und Wurzeln der Krapppflanze verwenden. Das Extrakt (Alizarin) muss dann mit Aluminiumsulfat gemischt werden, um den Farbstoff zu erhalten.

Schwarze Farbe kann aus Eisen gewonnen werden. So kann man z.B. rostige Hufeisen ca. einen Monat lang in Wasser und Molasse einweichen. Für gelb gibt es viele verschiedene Quellen: Granatapfelrinde, Kurkuma, Tagetes, Jackfruchtrinde und Mangorinde.

Sieben Glasgefäße zeigen natürliche Farbstoffe, Bindemittel und Beizen, die in Bagru verwendet werden (Red khashish, Tamarindensamenpulver, Manjeetha, Gummiarabikum, Alum, Indigo, Tamarindensamen).
Eine Auswahl an Farbstoffen, Beizen und Bindemitteln, die in Bagru verwendet werden.

Nicht alle natürlichen Farben vertragen sich miteinander. Manche sind chemisch inkompatibel und könne nicht zusammengemischt werden, um eine neue Farbe zu erhalten. Ist die Kompatibilität nicht schon dokumentiert, kann man es einfach selbst ausprobieren. Kommt es zu einer chemischen Reaktion, sind die Farben nicht kompatibel.

Zudem muss auch das Bindemittel mit dem Farbstoff selbst kompatibel sein. Zum Glück gibt es auch in diesem Gebiet verschiedene Stoffe, die verwendet werden können, zum Beispiel Gummiarabikum, Tamarindensamen, Guarkernmehl und Seetang.

Modeln

Die Modeln, die in Bagru verwendet werden, werden auch heute noch von Hand aus Holz hergestellt. Nachdem das Design auf Papier entworfen wurde, wird es mit einer Nadel auf den Holzrohling übertragen. Dann werden die unerwünschten Stellen weggeschnitzt bis nur das Muster bleibt. Um feine Details zu verwirklichen können auch Metallstifte etc. eingearbeitet werden.

Dann werden Löcher vertikal und horizontal gebohrt. Diese dienen dazu, das Gewicht des Blocks zu reduzieren und auch Luft durch den Block passieren zu lassen. Dadurch ist es leichter, einen guten Abdruck zu erhalten, weil die Farbpaste nicht so leicht in die ausgeschnitzten Mulden ausläuft.

Die Wahl des Holzes hängt von der Feinheit des Designs ab. Grobe Umrissblöcke werden aus Teakholz geschnitzt, das sehr hart und widerstandsfähig ist. Blöcke mit detailreicheren Mustern werden aus weicherem Holz geschnitzt, das leichter zu bearbeiten ist.

Der Druckvorgang

Wenn dann der Farbstoff zubereitet ist, der Stoff vorbereitet ist und man seine Blöcke hergestellt oder ausgesucht hat, kann man mit dem Drucken beginnen. Um das beste Ergebnis zu erzielen, muss der zu bedruckende Stoff auf einer stabilen, aber federnden Unterlage aufgebracht werden. Dazu wird er auf einem langen Tisch auf mehreren dicken Stofflagen aufgespannt.

Dann muss der trockene Block mit etwas Farbe angefeuchtet werden. Dazu tunkt man den Block zwei, drei Mal in die Farbe und reibt ihn dann auf einem Stoffrest ab. Endlich kann man dann den Block leicht in die Farbe tunken und auf dem richtigen Stoff vorsichtig positionieren. Dann muss man den Block ein, zwei Mal mit Gefühl klopfen, damit der Stoff die Farbe gleichmäßig aufnimmt. Dann muss der Block wieder vorsichtig angehoben werden, damit man sein Muster nicht verwischt. Diese Vorgang wird dann wiederholt, bis man sein gewünschtes Muster gedruckt hat.

Eine Workshopteilnehmerin übt das Platzieren des Models auf einem Probestück. Eine weitere Teilnehmerin befeuchtet den Model mit dem Farbstoff vor dem Druckvorgang.
Das erste Üben mit den Blöcken, ein Übungsstoff, und der Vorgang des Anfeuchtens des Blockes.

Während des Workshops durften wir auf kleineren Stoffresten üben, bevor wir dann unsere Designs entworfen, die passenden Modeln aussuchten und mit bis zu vier Farben (schwarz, rot, gelb und braun) druckten. Dabei hat es sich als sehr schwierig erwiesen, die Modeln gerade und passend nebeneinander zu platzieren. Wenn man am Anfang auch nur ein paar Millimeter von der idealen Linie abweicht, ist man am Ende der Zeile ganz schön falsch dran.

Nach dem Druck

Eine fertig bedruckte Stoffbahn. Es wurden gelbe und braune natürliche Farbstoffe verwendet.
Stoff, den ich mit gelber und brauner Farbe bedruckt habe. Daraus möchte ich ein Oberteil nähen.

Wenn man fertig gedruckt hat, muss der Stoff fertig trocknen und die Farbe einwirken. Normalerweise wird darf der Stoff drei oder vier Tage lang in der Sonne ruhen, damit die Farbe wirklich in die Fasern eindringen kann. Da wir aber unsere Stoffe mit nach Hause nehmen wollten, ließen wir sie nur trocknen und begannen dann den Farbfixierungs- und Waschvorgang.

Um die Farbe zu fixieren, wird der Stoff in ein heißes Wasserbad zusammen mit einem weiteren Gerbemittel gegeben und bis zu einem Tag lang gerührt. Schließlich wird der Stoff gewaschen und auf einer Steinplatte gescheuert, damit überschüssige Farbe entfernt wird, und dann zum Trocknen aufgehängt.

Ein Arbeiter bereitet zwei Wannen mit dampfendem Wasser vor. Eines davon enthält das Gerbemittel, mit dem natürliche Farbstoffe fixiert wirden.
Normales Wasserbad und Wasserbad mit Gerbemittel werden vorbereitet.

Abschluss

In diesem zweitägigen Workshop habe ich zwei Stoffe mit Schlamm bedruckt und davon eines mit Indigo und eines mit schwarzem Kashish gefärbt. Außerdem habe ich noch zwei Stoffe mit natürlichen Farbstoffen bedruckt. Neben diesem praxisorientierten Teil des Workshop habe ich auch noch viel über die Theorie zur Verwendung von natürlichen Farben gelernt. Ich freue mich schon darauf, dieses Gebiet weiter zu erkunden und in Zukunft meinen eigenen Stoff zu entwerfen und bedrucken.

Sieben fertig bedruckte Tücher liegen zum Trocknen in der Sonne.
Eine Auswahl der Stoffe, die von den Workshopteilnehmern bedruckt wurden.

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