Ginger Jeans aus Romanit – Pyjama fürs Büro

Nachdem ich meine ersten Ginger Jeans genäht hatte, war ich total vom Hosennähen angetan. Ich musste einfach noch eine Hose nähen! Eine, nach der ich mich schon lang gesehnt hatte. Eine, die ich dank meiner 89cm Beinlänge noch nie im Geschäft kaufen konnte. Eine, die businesstauglich und doch so bequem wie ein Pyjama ist. Kurzgesagt: Ginger Jeans aus Romanit!

Den Stoff dafür, ein relativ fester Romanitjersey mit hohem Viskoseanteil, habe ich in einem örtlichen Stoffladen gefunden. Ich habe mich dann sofort an die Arbeit gemacht. Normalerweise liegen Stoffe schon eine Zeit in meinem Lager, aber dieser wurde im Rekordtempo verarbeitet!

Nahaufnahme des Hüftenbereiches einer Frau. Sie trägt ein weißes T-Shirt und eine schwarze Hose, an der ein Kunstlederstreifen in die Seitennaht eingenäht ist.
Kunstlederstreifen in der Seitennaht

Um noch einen Blickfang hinzuzufügen und die Hose etwas zu veredeln, habe ich außerdem einen schmalen schwarzen Kunstlederstreifen in die Seitennähte eingearbeitet.

Am Schnittmuster habe ich noch ein paar Änderungen vorgenommen, um es mehr dem Charakter des Romanitjerseys anzupassen:

  • Vordere und hintere Schrittlänge um jeweils 1cm verlängert
  • Hintere Passe in ein Paar Abnäher umgewandelt
  • Vordertaschen entfernt
  • Hosenbein unterhalb der Knie etwas verschmälert
  • Gürtelschlaufen weggelassen

Allein die Änderung am Schritt habe ich gemacht, weil es dort bei meinen Denimjeans manchmal etwas zwickt.

Passe in Abnäher umwandeln

Ich wollte statt der Passe hinten Abnäher nähen. Das Umwandeln einer Passe in einen Abnäher geht aber ganz einfach:

  • Hinteres Bein und Passe neu abpausen.
  • Nahtzugaben an der oberen Kante des Beins und rund um die Passe einzeichnen.
  • Festlegen, wo der Abnäher hin soll und dort eine gerade Linie an der Passe einzeichnen. Normalerweise ist der Abnäher ca. auf halbem Weg zwischen hinterer Mitte und Seitennaht.
  • Die Passe entlang der eingezeichneten Linie bis zur, aber nicht durch die, Nahtzugabe schneiden. Auch die Nahtzugabe aus entgegengesetzter Richtung einschneiden, sodass die zwei Teile nur durch ein schmales Stück Papier verbunden sind.
  • Die Passe so auf das Bein legen, dass die Nahtzugabelinien von Passe und Bein sich an der hinteren Mitte und dort wo die Linie eingezeichnet wurde treffen.
  • Die zweite Hälfte der Passe so drehen, dass die andere Ecke sich mit der oberen Ecke der Seitennaht des Beines genau trifft.
  • Die Passe in der Position an das Bein kleben und/oder beides zusammen nochmals abpausen. Die Lücke, die in der Passe entstanden ist, ist jetzt der neue Abnäher.
Detailansicht des hinteren Hüftbereichs einer Ginger Jeans aus Romanit Jersey. Man sieht eine aufgesetzte Tasche, die Schrittnaht mit Ziernähten und einen Abnäher, der statt einer Passe genäht wurde.
Detailansicht meiner Ginger Jeans aus Romanit, inkl. dem Abnäher.

Ginger Jeans aus Romanit nähen

Ich habe meine Overlock mit einer normalen breiten Vierfadennaht für die meisten Nähte verwendet (Innen- und Seitennähte, Schrittnaht und Bund). Mit der Nähmaschine habe ich den Hosenschlitz und die Abnäher genäht. Außerdem habe ich auch Innennaht, Bund und aufgesetzten Taschen mit Ziernähten versehen. Weil ich ja Vordertaschen und Gürtelschlaufen ausgelassen habe, ging das Nähen an sich ziemlich schnell voran.

Zwei Stoffteile, auf die je ein Kunstlederstreifen mit einem Handnähstick geheftet wurde.
Kunstlederstreifen per Hand anheften

Ich genieße auch das Nähen von Hand und habe deswegen die Kunstlederstreifen händisch angeheftet, bevor ich die Seitennähte nähte. Außerdem habe ich hinterher die Nahtzugabe an der Stelle von Hand festgenäht. Sonst wäre sie immer hin und her geflippt, weil sich ja Strickware nicht so gut bügeln lässt.

Den Saum habe ich auch von Hand mit einem Blindstich genäht. Natürlich könnte man das mit der Maschine nähen, aber wie gesagt… Außerdem habe ich festgestellt, dass der Romanitstoff sich auch vertikal ziemlich dehnt und deswegen musste ich nach der Anprobe ca. 5cm wieder abschneiden, weil die Hose so lang war.

Statt eines Jeansknopfs habe ich einen Hosenhaken verwendet. Das funktioniert zwar, aber es entsteht leider ein unschöner Knubbel an der Stelle, weil sich der Stoff verzieht. Beim nächtsen Mal verlege ich den Reißverschluss vielleicht zur Seitennaht und verwende eine andere Lösung, um den RV zu sichern.

Mit dem Verschluss bin ich unzufrieden. Hat wer Vorschläge?

Details zum Projekt

Stoff: Schwarzer Romanitjersey von EvLi’s Needle
Ziernahtfaden: Coats Epic #50 in schwarz von Der Rote Faden
Einlage: G770 von Vlieseline und Baumwollorgandie zur Verstärkung der Bundenden

Verlinkt beim Me Made Mittwoch.

Eine Frau trägt ein weißes T-Shirt und schwarze Ginger Jeans aus Romanit. Sie steht in einem Hof vor einem Baum.
Insgesamt sehr zufrieden mit meiner Ginger Jeans aus Romanit

14 Comments

    1. Bettina

      Danke, Jenny. Die Anpassungen waren gar nicht so schlimm. Dadurch dass mir der Schnitt von Haus aus so gut passt, macht es richtig Spaß, den ein bisschen abzuwandeln.

  1. Molas

    Cool schaut die Hose mit dem Streifen an der Seite aus.
    ICh glaube, ich würde einen klassischen Knopf nehmen, der trägt ja bei weitem nicht so auf wie ein „richtiger“ Jeansknopf.
    Und deine Beschreibung mit Passe weglassen, die merk ich mir gleich einmal.
    Lg Iris

  2. Sarah

    Man sieht es echt erstmal garnicht, dass es keine „echte“ Jeans ist… Eine richtig gute Idee, mit dem Romanit! Das sieht nach echter Wohlfühlkleidung aus und eben nur gefühlt… LG sarah

  3. kuestensocke

    ein sehr interessantes Projekt mit tollem Ergebnis. Beim Bund könntest Du einfach den übertritt um 5-6 cm zu einer SEite verlängern und den Hosenhaken dann weiter links anbringen. Auf diese Weise gibt es ein glatteres Ergebnis. Hilfreich ist es auch, einen zusätzlichen Knopf innen im Bund anzubringen, das entlastet dann den Hosenhaken. Falls du Gelegenheit hast eine Herren-Anzughose anzuschauen – da findest Du diese Bundlösung und die hat sich wirklich vielfach bewährt 😉 Ein RV in der Seite ist natürlich auch eine Lösung, aber beim an- und auskleiden längst nich so komfortabel wie eine RV in der vorderen Mitte. LG Kuestensocke

    1. Bettina

      Danke, Kuestensocke! Das ist eine tolle Idee für den Bund. Ich habe mir mal eine Anzughose von meinem Mann angeschaut und die hat sogar zwei Hosenhaken und einen Knopf dazwischen. Muss ich das nächste Mal ausprobieren. LG, Bettina

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