Der Stoff aus dem Träume sind: Ein Besuch bei Zuleeg

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Werbung, unbezahlt und aus Überzeugung

Anfang September 2019 besuchte ich ein Nähwochenende organisiert von der Weberei Zuleeg. Zuleeg ist eine Stoffweberei im nordbayerischen Helmbrechts. Am Willkommensabend bekamen wir einen Blick hinter die Kulissen der Stoffherstellung, den ich nun teilen will.

Ein zweistöckiges weißes Gebäude. Über dem Eingang steht "ZULEEG".

Wer noch nicht weiß, wie die Grundlage der Stoffweberei funktioniert, dem kann ich vorab diesen Artikel zum Thema empfehlen.

Design

Unser Tourguide für die Besichtigung war Steffi Romig, Textildesignerin für Zuleeg. Sie hat den Traumjob, neue Stoffe zu gestalten, die dann produziert werden. Für ihren Job verwendet sie seit Neuestem CAD-Software (Computer-aided Design), mit der sie eine Vorschau davon, wie der Stoff dann aussehen wird, erhält, ohne dass ein Webstuhl angeschmissen werden muss. Steffi kann mit der Software Farben, Garnqualitäten und Veredelungen auswählen und dann einfach eine „Stoffprobe“ ausdrucken, die dem echten Produkt visuell sehr ähnlich kommt.

Vorher mussten schon früher im Entwicklungsprozess echte Stoffproben angefertigt werden, was natürlich länger dauert und auch die Kosten in die Höhe treibt. Jetzt kann Steffi schnelle iterieren und braucht weniger gewebte Proben.

Steffi hat auch eine große Bibliothek an Garnproben, die sie verwenden kann. Zuleeg hat ein Garnlager mit Garnen, die zum Weben verwendet werden können. Natürlich können auch Garne verwendet werden, die nicht im Lager sind, aber dadurch steigen Kosten und Produktionszeit. Deswegen wird gerne auf die vorhandenen Garne zurückgegriffen.

Wenn Steffi dann das Design abgeschlossen hat, wird eine Anweisung für die Weberei erstellt, die die zu verwendenden Garne und Muster enthält. Sowohl für Kett- als auch Schussfäden wird ein Webmuster definiert.

Vorbereitung

In der Regel webt Zuleeg Stoffe auf eine Länge von zwei- bis viertausend Meter. Dementsprechend müssen auch die Kettfäden so lang sein. Der erste Schritt in der Vorbereitung besteht darin, die tausenden Kettfäden, die für den Stoff verwebt werden, auf den Kettbaum zu wickeln. Das macht eine große Maschine:

Zwei Frauen stehen vor einem industriellen Wickler. Im Hintergrund ist ein Regal in Größe eines Zimmers, das die Spulen mit den Kettfäden hält.
Die nette Dame rechts betreibt die Wickelmaschine.

Anschließend muss jeder einzelne Kettfaden durch eine Litze gefädelt werden. Dabei handelt es sich um ein flaches Metallstück mit einem Auge. Die Litzen hängen auf verschiedenen Schäften, die während des Webvorganges in entsprechenden Abfolgen angehoben werden, um das Webmuster zu erstellen.

Eine lange Nadel bewegt sich von links nach rechts durch die Litze und zieht einen Kettfaden durch das Auge.
Das Gleiche nochmal aus einer anderen Perspektive. Diesmal kommt die Nadel vom unteren Bildrand.
Acht Schäfte mit Litzen, durch die die Kettfäden laufen. In der Weberei werden diese dann individuell angehoben, um das Muster zu erstellen.
Die fertigen Litzen auf acht Schäften. Jeder Schaft kann einzeln angehoben und gesenkt werden.

Jeder Kettfaden wird zusätzlich durch einen Metallreiter gezogen. Sollte der Kettfaden während des Webvorgangs abreißen, fällt der Reiter auf eine leitfähige Platte und die Webmaschine hält automatisch an. Dann kann der Techniker den abgerissenen Faden reparieren.

Fünf Metallschienen auf einem Rahmen, auf denen Metallreiter hängen. Durch jeden Reiter ist ein Kettfaden gezogen.
Die Metallreiter auf den Kettfäden.

Die Technikerin, die diese Einziehmaschine bediente, erzählte uns, dass die Kettfäden zu ihrer Lehrzeit noch von Hand durch die Litzen gezogen werden mussten.

Die durchschnittlichen Kosten, um die Fäden für die Weberei vorzubereiten liegen bei ca. €2,500.

Weberei

Wenn die Kettfäden bereit sind, kann die Webmaschine angeworfen werden. Zuleeg verwendet verschiedene Arten von Webmaschinen. Sie haben zum Beispiel Webstühle mit einem oder zwei Kettbäumen. Mit Letzterem können doppelseitige Textilien gewebt werden, die auf beiden Seiten unterschiedliche Farben oder Muster haben.

Zuleeg hat auch unterschiedliche Schusseintragseinrichtungen im Einsatz. Der Schützen transportiert ja die Schussfäden von einer Seite zur anderen durch die Kettfäden. Wir haben zum Beispiel Greiferwebmaschinen gesehen, bei denen zwei Greifer die Schussfäden transportieren. Sie treffen sich dazu kurz in der Mitte und übergeben den Faden von einem Greifer zum anderen. Außerdem verwendet Zuleeg beispielsweise auch Luftdüsenwebmaschinen, bei denen die Schussfäden mit einem Luftstrom transportiert werden.

Hinter den dicht gelegten Kettfäden sieht man zwei elliptische Greifer, die sich treffen.
Hier sieht man, wie sich die zwei Greifer in der Mitte treffen, um den Schussfaden zu übergeben.

Qualitätssicherung & Schauung

Nach der Webung wird jede Stoffbahn geschaut (inspiziert), um die Fehlerquote weiter bei niedrigen 0,6% zu halten. Der Schausaal ist mit mehreren Arbeitsflächen ausgestattet. Diese erlauben den Schauern, den Stoff von einem Baum auf den anderen zu wickeln und diesen dabei unter den hellen Lichtern zu inspizieren. Finden sie eine Problemstelle wie zum Beispiel einen Knoten oder einen doppelten Faden, wird dieser meist sofort repariert.

Eine Werkbank, auf der ein dunkelgraues Stück Stoff gespannt ist. Es kommt von einer Rolle oberhalb der Werkbank und wird unterhalb wieder auf eine andere Rolle aufgerollt.

Sollten zu viele Fehler vorhanden sein, informieren sie die Weber darüber, weil das oft bedeutet, dass die Webmaschine durch Schmutz oder ähnliches nicht optimal funktioniert.

Eine Frau ist über einen Stoff gebeugt und webt mit einer Nadel einen herausgezogenen Faden wieder ein. Sie trägt eine Vergrößerungsbrille und der Stoff ist von hinten beleuchtet.
Ein herausgezogener Faden wird wieder eingewebt.

Letztendlich wird der Stoff zum Veredler gesendet.

Über Zuleeg

Die Firma wurde 1925 gegründet und ist jetzt eine von nur wenigen verbleibenden Stoffherstellern in Deutschland. Die dritte Generation der Familie führt nun die Firma und hat diese an moderne Marktgegebenheiten angepasst, indem sie sowohl Modestoffe als auch Corporate Wear (z.B. für Fluglinienuniformen) und technische Textilien (Hochsichtbarkeit, hohe Abriebbeständigkeit…) herstellen. Zuleeg produziert ca. 2 Millionen Meter Stoff pro Jahr.

Die Firma sitzt im oberfränkischen Helmbrechts. Günstigerweise hat dort auch ein Textilveredler, Knopf’s Sohn, seinen Sitz. Der Veredler wäscht und behandelt Stoffe von Zuleeg und anderen Produzenten bevor diese verkauft werden. Sie färben, beschichten, behandeln mit Lösemitteln (um Präparationen aus dem Herstellungsprozess zu entfernen) und führen chemische (antipilling, antibakteriell…) und mechanische (Sengen, Schmirgeln, Scheren…) Ausrüstungen durch.

Ein Flyer, auf dem steht "Aufgepasst! Wir ändern ab 1. September 2019 unsere Werksverkauf-Öffnungszeiten und sind täglich Mo-FR 9-16Uhr für euch da!".

Wer die schönen Stoffe von Zuleeg auch verwenden will, findet diese im Webshop oder im Werksverkauf, der seit Kurzem Montag bis Freitag von 9 bis 16 Uhr geöffnet ist. Ich kann sie wärmstens empfehlen!

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