Pullover mit der Strickmaschine

Jegliche Verlinkungen dienen nur zur Information. Alles wurde von mir selbst gekauft und ich gebe nur meine eigene Meinung wieder.

Als wir im März zurück in meine Heimat gezogen sind, konnte ich endlich die Strickmaschine, die ich von meiner Oma geerbt habe, in Betrieb nehmen. Seit über zehn Jahren stricke ich von Hand und war dementsprechend gespannt, wie das Stricken mit Maschine funktioniert.

Leider war die Gebrauchsanleitung für die Maschine nicht mehr vorhanden und auch im Internet wurde ich nicht fündig. Deswegen kostete es mich viele Nerven, bis ich endlich einen Anschlag auf die Reihe brachte und dann auch noch mehrere Reihen stricken konnte. Dann war aber das Feuer entfacht und das Aufhören schwer…

Durch das ganze Recherchieren im Internet bin ich auch auf die Tatsache aufmerksam geworden, dass die Strickmaschine (eine Regina Princess A181) meiner Oma ein ziemlich einfaches Modell ohne Fadenführung und Möglichkeit, gerippte Bündchen usw. zu stricken. Nach kurzer Suche im Internet habe ich dann eine fortgeschrittene gebrauchte Strickmaschine gefunden: eine Pfaff/Passap Duomatic80. Tja, und seither führt mein Weg nachmittags aus dem Home Office meistens direkt zur Strickmaschine…

In der linken Bildhälfte ist eine Pfaff Duomatic80 zu sehen. Rechts daneben befindet sich eine Regina Princess A181 Strickmaschine. Sie ist viel kleiner und hat nur ein Nadelbett.
Links die “neue” Strickmaschine, rechts die “alte”.

Leider ist das Maschinenstricken im Gegensatz zum Nähen mit Maschine ziemlich in Vergessenheit geraten. Weltweit gibt es anscheinend nur mehr eine Firma, die noch Strickmaschinen für den Gebrauch zuhause herstellt. Deswegen habe ich mal ein Zeitraffervideo aufgenommen, in dem ich eine Socke stricke. In Echtzeit dauert der Spaß ca. 50 Minuten. Man sieht jedenfalls, dass da doch eine ganze Menge Handarbeit drin steckt. Man drückt nicht nur auf ein Knöpfchen und die Socke hüpft von den Nadeln.

0:00 Wolle einfädeln und anschlagen
0:08 Bündchen stricken (flach)
0:10 Umhängen auf rund für den Schaft (zuerst alle Maschen aufs hintere Bett hängen, dann die äußeren 2 Viertel auf das vordere Bett)
0:40 Schaft stricken (rund)
0:46 Ferse mit verkürzten Reihen
1:10 Fußteil stricken
1:17 Beginn der Abnahmen für den Zehenteil
1:58: Fertig gestrickt, jetzt noch die übrigen 10 Maschen mit dem Garn einsammeln um dann das Loch per Hand zu schließen

Neben etlichen Socken und einem ärmellosen Top habe ich damit mittlerweile auch schon zwei Pullover gestrickt. Zuerst habe ich eine Handstrickanleitung, die ich schon gestrickt hatte, verwendet. Die Anleitung Ravelston von Ysolda ist ein einfacher Pullover mit V- oder Rundausschnitt und eingesetzten Ärmeln. Da die Ärmel mit verkürzten Reihen eingesetzt werden, habe ich den Teil noch von Hand gestrickt. Der Rest ist aber an der Maschine entstanden. Das Zusammenspiel funktioniert erfreulicherweise gut.

Der zweite Pullover ist dann auf Basis eines Kaufpullis entstanden. Ich habe eine Maschenprobe mit einem Muster aus dem Heftchen gemacht, den vorhandenen Pulli ausgemessen und die Zahl der Maschen und Reihen berechnet. Hat eigentlich ganz gut geklappt! Insgesamt habe ich 7 Tage dafür gebraucht.

Neben glatt rechts, beliebigen Rippen, Rund- und doppeltem Gestrick hat das gute Stück auch einen Farbwechsler und einen Lochkartenleser, mit dem man “automatisiert” Muster stricken kann. Das habe ich aber noch gar nicht ausprobiert, freue mich aber schon wahnsinnig darauf.

Hier findet ihr noch meine (etwas stiefmütterlich gepflegten) Strickmaschinenprojekte auf Ravelry.

Verlinkt beim Memade Mittwoch.

16 Comments

  1. fetzich

    Es ist richtig interessant zu sehen, was man mit einer Strickmaschine so anstellen kann. Beide Pullover sind sehr schön, mir gefällt der zweite aufgrund des Musters und der Farbe noch etwas mehr, den würde ich auch sofort anziehen. 🙂
    Liebe Grüße!
    Jenny

  2. 500 days of sewing

    Da hätte ich ja jetzt gerne daneben gesessen und dich mit Fragen durchlöchert 🙂 Ich finde das so spannend, habe aber noch nie eine Strickmaschine in Aktion gesehen. Das Video zeigte 50 min… Aber in der Zeit ist wieviel vom Socken fertiggeworden? Strickt die Maschine dann nur den Schaft? Oder auch die Ferse? Das kann ich mir aktuell gar nicht vorstellen! Auch was du da immer einstellen und regeln musst zwischen dem Hin- und herschieben 😉 Sieht sehr kompliziert aus!!
    Auf deine Sockenbilder bin ich jedenfalls auch gespannt. Dein zweiter Pulli gefällt mir auch mega gut!! Kannst du einschätzen wie lang du daran handgestrickt hättest? Wie anstrengend ist das (Hin- und herschieben beim) Maschinenstricken? Wenn ich lange stricke tut mir schon irgendwann die Hand weh….
    Ich bin gespannt auf weitere Berichte!!
    Viele Grüße,
    Melanie

    1. Bettina

      Liebe Melanie, in den 50 Minuten habe ich tatsächlich die ganze Socke gestrickt. Ich fange mit dem Bündchen an, hänge dann die Maschen um zum Rundstricken (man kann mit einer doppelbettigen Maschine “nur” gerippt oder rund stricken, nicht beides auf einmal), stricke den Schaft, dann die Ferse mit verkürzten Reihen, dann den Fußteil und zum Schluss die Zehenabnahmen. Zuletzt müssen dann nur das kleine Loch an der Zehenspitze und der flachgestrickte Teil (Bündchen) von Hand zugenäht werden. Wenn’s dich im Detail interessiert, kann ich dir dieses Video empfehlen. Nach genau dieser Anleitung stricke ich die Socken. Nach ein paar Mal hat man dann auch die Schritte im Gedächtnis. Ist gar nicht so kompliziert 🙂

      Für den Pulli hätte ich sicher über einen Monat gebraucht. Davon abgesehen wäre das Muster sowieso unpraktikabel fürs Handstricken. Handgelenks- und Fingerschmerzen kriege ich leider auch vom Handstricken. Bei der Maschine ist mir das aber noch nicht passiert. Im Gegenteil ist es manchmal eher ein leichtes Oberkörperworkout, wenn man den Schlitten auf “geraden Strecken” schnell hin und her schiebt. Viel Kraft braucht man aber prinzipiell nicht – der Schlitten sollte locker über die Maschen laufen können.

      Bei weiteren Fragen stehe ich gerne zur Verfügung 😉

      LG, Bettina

  3. Sarah

    Ja, bitte weiter über die Strickmaschine bloggen! Ich habe zwar keinen Platz um mir eine hinzustellen, aber träumen kann man ja. Das ist auch eine herrliche Kindheitserinnerung, meine mutter hatte eine… Ich habe mir das Video glatt zweimal angesehen. Ein Socken in 50 Minuten, ein TRAUM! Ich schaffe sonst 2-3- cm in 50 Minuten! Der zweite Pulli ist echt ganz großartig! LG Sarah

  4. Elke Stamm

    Ich liebe so technische Gerät. Supertoll! Hatte mich auch schon mal ein bisschen erkundigt eine gebrauchte Strickmaschine zu kaufen. Aber mein Platzproblem …
    Jetzt freu ich mich einfach über deinen tollen Beitrag und vielleicht kauf ich irgendwann auch so ein tolles Ding.
    Liebe Grüße
    Elke

  5. Jeanette

    Wie toll, ich hatte mal eine und vel damit gestrickt. Das gute Stück habe ich dann mal verkauft, aus heutiger Sicht leider.
    Beste Grüsse Jeanette

  6. kuestensocke

    Wow, vielen Dankf ür den kleinen Film, das ist ja wirklcih spannend. Eigentlich wurde ich mich, dass kaum Männer mit solchen Maschinen arbeiten, das ist ja eine interessante Kombi aus Technik und Kreativität. Wahrscheinlich fehlt die Herren die Geldud 😉 Bin gespannt, was Du als nächstes strickst, ich finde das sehr sehr faszinierend und die tollen Ergebnisse sprechen für sich. Der blaue Pulli ist ein Traum! LG Kuestensocke

    1. Bettina

      Ich hab auf Ravelry und Instagram schon ein paar Männer gesehen, die Strickmaschinen verwenden, aber die Zahl ist immer noch viel geringer als die Zahl der Frauen.. Sie wissen halt nicht, was ihnen entgeht 😉
      LG, Bettina

  7. Jule

    ganz schön spannend, eine Strickmaschine in Aktion war mir noch nicht begegnet. Die zwei Pullis sind schön geworden. Danke, dass Du auch die Hintergründe beschreibst, das ist interessant!
    LG von Jule

  8. Twill & Heftstich

    Ich kann mich nur anschließen. Bitte mehr über die Strickmaschine bloggen! Schade, dass das aus der Mode gekommen ist. Der blaue Pulli gefällt mir wahnsinnig gut! Auf dem Video wirkt die Strickmaschine recht Raum einnehmend, mal spaßeshalber (nicht, dass ich eine weitere Maschine bräuchte…) gefragt: Wie groß ist das gute Stück denn? LG Manuela

    1. Bettina

      Mein Modell ist ca. 120cm breit und 25cm tief. Das nimmt schon mehr Platz ein, als eine Nähmaschine, es gibt aber auch kompaktere Modelle.
      LG, Bettina

  9. Epilele

    Liebe Bettina,
    das finde ich sehr faszinierend, was du da über die Strickmaschine schreibst. Ich habe eine Brother-Doppelbett auf dem Speicher stehen und vor Jahren frustriert da oben hin verbannt, weil sie mir zu viele Frusterlebnisse beschert hat. Nirgends fand ich Informationen, wie die Maschine bedient wird, er gab niemanden mehr in der Familie, der sie mir erklären konnte. Und nachdem mir mehrere Male das Gestrickte vom “Nadelbett?” runtergefallen sind, habe ich es sehr frustriert aufgegeben. Aber das, was du schreibst, ermutigt mich, es noch einmal zu versuchen.
    Deine Pullis finde ich sehr gelungen und das Video werde ich mir jetzt einmal in Ruhe anschauen.
    P.S.: Leider kommt man gerade nicht in meinen Blog, was ich sehr bedauere. Aber das “Technik-Team” arbeitet daran.
    Liebe Grüße Epilele

  10. Ina

    Faszinierender Ausflug in die Vergangenheit! Meine Oma hatte eine Strickmaschine und ich habe als Kind die Geschwindigkeit und das perfekte Maschenbild bestaunt. Deine Pullover sind toll geworden und die Mühe mit der Maschine hat sich gelohnt.
    Liebe Grüße von Ina

  11. amberlight

    Ich war ja schon beim letzten blogpost fasziniert, aber genial, dass du das hier richtig im Video gezeigt hast – bislang hatte ich davon gar keine Ahnung. Zu Schade, dass wir nun nicht mehr in der gleichen Stadt wohnen …

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